In meiner Reihe zum Thema `Stress und Gegenmaßnahmen´ möchte ich mich in diesem Artikel dem `kreativen Nichtstun´ bzw. dem Tagträumen widmen.

 

Die pausenlose Gesellschaft

Die pausenlose Gesellschaft

In meiner Kindheit galt ich als `Träumele´: `Wo bist Du schon wieder?´, `Du bist mal wieder nicht bei der Sache´, sagte meine Mutter oft zu mir, wenn Sie mich wieder mit einem abwesenden Blick erwischte. Tatsächlich bin ich häufig mit meinen Gedanken auf Wanderschaft gegangen und habe mich durch die Zeit geträumt. Das geschieht mir auch heute noch.

Wer sich viel in Tagträumen verliert, macht auf seine Umwelt einen abwesenden und unkonzentrierten Eindruck. In unserer leistungsorientierten Gesellschaft kommt das nicht gut an. Das hängt damit zusammen, dass tagträumen meist für Zeitverschwendung gehalten wird, glaubt Jonathan Smallwood von der University of York (England). Tagträumer ärgern sich selbst oft darüber, dass sie schon scheinbar wieder `nichts Vernünftiges´ zustande gebracht haben.

Menschen, die bloß arbeiten, finde keine Zeit zu den Träumen.  Nur wer träumt, gelangt zur Weisheit.

(Sprichwort der Indianer)

Sagar das Pausen machen wird in unserer schnelllebigen Gesellschaft immer seltener. Durch die Digitalisierung ist ein zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten möglich geworden, wodurch die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit mehr und mehr verschwimmen. Wir können unsere Arbeit von zu Hause oder von einem anderen Ort aus, in einem gewünschten Zeitraum erledigen. Sogar am Strand können wir noch schnell E-Mails beantworten. E-Learning-Einheiten ersetzten in Unternehmen immer mehr die Präsenzveranstaltungen, da die Mitarbeiter nicht mehr so lange aus dem Prozess herausgezogen werden sollen (was mir als Anbieterin von Online-Kursen natürlichentgegen kommt). Es ist allerdings nicht so, dass die ständige Erreichbarkeit und Pausenlosigkeit nur ein `von oben´ angeordneter Prozess ist. Nein, die Mitarbeiter wollen dies häufig selbst. In mehreren Studien stellte sich heraus, dass Menschen freiwillig auch in ihrer Freizeit erreichbar sein wollen. Viele Beschäftigte greifen vermehrt auch in ihrer freien Zeit auf geschäftliche E-Mails zu, ohne dass dies explizit von ihnen verlangt würde. Experten weisen, neben der Gefahr eines indirekten Zwangs zur ständigen Erreichbarkeit, auch auf die Möglichkeit der Selbstgefährdung bzw. Selbstausbeutung hin. Müssen Beschäftigte vor sich selbst geschützt werden? Neben der Politik und den Unternehmen ist auch hier jeder Einzelne aufgefordert, selbstverantwortlich seine Gesundheit im Blick zu behalten.

Unter anderem kann hier das Tagträumen weiterhelfen:

 

 Tagträume fördern die Kreativität

Kreativität

Träumen fördert Kreativität

Laut Professor Smallwood vergessen wir, wie wichtig mentale Auszeiten sind. Sie bieten Gelegenheit, neue Ideen durchzuspielen und Pläne zu schmieden. „Im Zustand des Tagträumens stimmen wir das Ich auf die Anforderungen der Umwelt ab, und unser Gehirn simuliert, was alles passieren könnte.“. Denn Tagträume fördern das Loslassen und damit die Entspannung. Und wenn wir entspannt sind, kommen uns die besten Ideen. Wir werden so richtig kreativ. Das kennst Du bestimmt auch: Du denkst über ein Problem nach, suchst verkrampft nach der Lösung, doch sie will nicht kommen. Sobald Du aber entspannst bist und das Problem vergisst, kommt die Lösung von alleine – manchmal sogar im Schlaf.

Die Träumenden und die Wünschenden halten den feineren Stoff des Lebens in den Hände.

(Franz Kafka)

Das hängt damit zusammen, dass ein wenig Abstand zum realen Gegenstand des Problems notwendig ist, um Klarheit zu erhalten. Es arbeitet in uns. Dieses Loslösen von der konkreten Situation vollbringen wir genau dann, wenn wir tagträumen. Wir sind zwar kurzzeitig nicht mehr `bei der Sache´ um zum Beispiel exakte Arbeiten abzuliefern, produzieren aber stattdessen neue kreative Sichtweisen. Das Gehirn erstellt in diesem Zustand ungewöhnliche Verknüpfungen und sammelt gleichzeitig Informationen, so dass kreative Wege zur Problemlösung offenstehen.

 

Im Tagtraum andere Welten betreten

Mit dem Tagtraum in andere Welten

Was mit dem einfachen Schweifen der Gedanken beginnt, wird oftmals zu einer Idee oder sogar zu einer Vision. Das Gedankenwandern kann uns kurzzeitig mit allen Sinnen in eine ausgedachte Situation versetzen: wir schmieden Pläne, visualisieren unsere Wünsche, lassen Vergangenes aufleben und können uns in andere Zeiten und andere Welten versetzen. Das führt dazu, dass vorausschauendes Denken trainiert wird und neue Perspektiven entstehen. Das Erfolgsrezept für viele kreative Geister besteht darin, zwischen äußeren Reizen und inneren Fantasiereisen flexibel hin und her zu switschen.

 

 

Das Gehirn der Tagträumer

Das Gehirn der Tagträumer

Das Gehirn der Tagträumer

Tatsächlich ist es so, dass Tagträumer meistens ein Gehirn mit sehr hoher Kapazität haben, welches besonders effektiv arbeitet: Forscher des Georgia Institute of Technology fanden in einer Studie heraus, dass bei Teilnehmern, die zu häufigen Tagträumen neigten, ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Hang zum Tagträumen und der fluiden Intelligenz sowie der Kreativität besteht. Bei Tagträumen werden die gleichen Bereiche im Gehirn aktiv, die auch für das Lösen von Problemen zuständig sind. Wenn wir also unsere Gedanken schweifen lassen, trainieren wir diese Gehirnareale und sind daher besser in der Lage, kreative Lösungen für Probleme zu finden. Hier spielt uns unser Default Mode Network in die Hände:

Das Default Mode Network

Dies ist eine Gruppe von Gehirnregionen, die aktiviert werden, wenn man nichts tut und deaktiviert werden, wenn man Aufgaben löst. Das Ruhestandsnetzwerk ist mit Tagträumerei und einer introspektiven Beschäftigung mit dem Selbst assoziiert. Durch das Default Mode Network kann man einfach mal gar nichts tun und dabei so richtig kreativ sein. Dass das Gehirn etwas tut, wenn wir nichts tun, wurde bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beobachtet. Bestimmte Gehirnströme wurden stärker, wenn die Probanden entspannt waren. Auch weitere Studien widerlegten, dass vor sich hinträumende Menschen, unkonzentriert, abwesend und unerreichbar sind. Die Messung von Hirnströmen während des Tagträumens hat ergeben, dass die Träumer sich an gleichzeitig Gehörtes besser erinnern konnten und ihr Lernvermögen gesteigert war.

 

 Das Default Mode Network aktivieren

Um über den Tellerrand des Gewohnten hinauszublicken, sollten wir Gelegenheiten zum Müßiggang und Tagträumen zulassen und uns Zeit fürs kreative Nichtstun  nehmen. Das können Momente der Muße sein, wobei wir hier aufpassen müssen, dass wir nicht zu schnell wieder ins zielgerichtete Tun oder Denken verfallen, indem wir zum Beispiel den nächsten Urlaub planen oder uns über das Abendessen Gedanken machen.

Sehr geeignet fürs Tagträumen sind routinemäßige, monotone Tätigkeiten, wie das Bügeln oder das Joggen. Es sind Tätigkeiten, die automatisiert ablaufen, ohne dass wir ihnen viel Aufmerksamkeit oder Konzentration schenken müssten.

Hier sind weitere Beispiele, wie Du Dein Default Mode Network aktivieren kannst:

 

Sitzen und Sinnen

Tagträumen

Tagträumen

Sich einfach mal ohne Sinn und Zweck hinsetzen – mit oder ohne Tasse Tee – und sinnen. Dies ist natürlich besonders leicht und inspirierend, wenn man auf etwas Schönes schaut. Gerade der Blick in die Natur kann sehr entspannend wirken. Bannen wir die Natur auf ein Foto, können wir diesen Eindruck sogar mit in unser Wohnzimmer oder an unseren Arbeitsplatz nehmen, um dort ein wenig abzutauchen und dem kreativen Nichtstun zu frönen. Studien belegen, dass man sich durch das Anschauen von Naturfotos schneller von Stress erholt.

 

Spaziergang in der Natur

Natur genießen

Natur genießen

Ein Spaziergang in der Natur kann das Tagträumen erheblich fördern. Man spricht nicht umsonst von Gedankengängen. Alle unsere Sinne kommen hier auf ihre Kosten: Unsere Augen baden sich im Grün der Bäume, unsere Ohren lauschen dem Zwitschern der Vögel, dem Rauschen der Bäume oder dem leise plätschernden Bach. Die Nase labt sich am Duft des frisch gemähten Grases oder am Duft eines Sommerregens. Das Meeresrauschen belebt unseren Geist, und unsere Phantasie lässt sich von den Weiten des Horizontes beflügeln. Dieser Rausch der Sinne fördert unsere Erholung und erleichtert uns das Tagträumen. Siehe hier auch mein Artikel zum `Waldbaden 

Tiere beobachten

Tiere beobachten

Spielende Hunde

Wenn Du einen Spaziergang durch öffentliche Parks oder Wälder machst, kann es enorm entspannend sein, sich auf eine Bank zu setzen und spielende Hunde oder schwimmende Enten zu beobachten. Gerade spielende Hunde leben uns vor, wie es ist, vollkommenen im JETZT zu sein. Sie beim Spielen zu beobachten, lenkt nicht nur von trüben Gedanken ab, sondern trägt dazu bei, den Kopf frei zu bekommen und alles andere einmal für einen kurzen Moment zu vergessen und hinter sich zu lassen. So können wir Abstand zu Problemen und Alltagssorgen bekommen.

 

Fensterblicke

Blick aus dem Fenster

Fensterblicke zum Tagträumen

Geh ans Fenster und öffne es. Recke und strecke Dich genüsslich. Betrachte in aller Ruhe, was sich Deinem Auge dort draußen bietet. Vielleicht lässt Du auch Deinen Blick ungezielt in die Ferne schweifen. Das ist nicht nur entspannend für den Geist, sondern auch für die Augen.

 

 

In andere Welten eintauchen

Erinnerungen

In Erinnerungen schwelgen

Auch das Eintauchen in andere Welten, wie beispielsweise das Schwelgen in schönen Erinnerungen, kann ungemein entspannend wirken. Wichtig ist, dass es schöne Erinnerungen sind. Gehe dem Erleben in Deinem Tagtraum mit all Deinen Sinnen nach. Begebe Dich mental in die Situation so hinein, als wäre sie jetzt. So werden Gefühle von damals reaktiviert, was bei schönen Erinnerungen erneut Glückshormone freisetzt.

 

 

Ich wünsche Dir jetzt viele beglückende und entspannende Tagträume😊.

Wenn Du Dich und Dein Leben allgemein entstressen möchtest, ist vielleicht mein Online-Kurs `Stress lass nach´ etwas für Dich.

 

Ich bin sehr interessiert an Deinen Erfahrungen zu diesem Thema. Weiter unten in der Kommentarfunktion hast Du die Möglichkeit, diese mitzuteilen.

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